Ku(h)la vs Krowa

Auf dem Weg zur Arbeit an einem lauen Oktober Morgen. Die Sonne scheint durch die Eichen in der Allee, die Blätter knistern unter meinen Füßen. Bäume werden in goldene Farben getaucht. Ich, gut ausgeschlafen, Musik in den Ohren, erwarte nichts.

Und dann- ich komme zur zweiten Brücke und kann meine Augen nicht fassen. Da steht tatsächlich eine Kuh! Und nicht eine normale, weiß-schwarz gefleckte, nein, eine karamellbraune! Ich pruste fasst los vor lachen, bis ich merke, dass Kühe auf dem Weg zur Arbeit kein Scherz sind. Vor allem nicht, wenn sich diese Kuh mir nähert, sich zur Seite dreht, und mich mit ihren großen Augen furchtlos anschaut. Ihr Blick sagt ganz klar und deutlich: Ja, ich habe mich extra so gedreht sodass DU nicht vorbeikommst. Ich versuche mich zusammenzureißen und nicht laut schreiend wie jedes normale Stadtkind der skurrilen Szene zu fliehen. Nein, ich verhalte mich ruhig und gelassen wie jedes normale Dorfkind, dass schon tausendmal in ihrem Leben Kühe gesehen, gestreichelt, geritten ist. Ich überlege, meine Manipulationskünste einzusetzen und sie mit Streicheln und zuflüstern von der Brücke zu kriegen. Doch als ich näher trete merke ich, wie riesig so eine Kuh ist. Und ihre Hufen sehen ziemlich gefährlich aus. Danach verändere ich meine Überlegung und schaue mir meine Füße an, die mit dicken Wanderstiefeln ausgerüstet eine Kuh mit einem kräftigen Kick schon gut treffen könnten. Aber der Realist in meinem Kopf überzeugt mich davon, keinen Idiot zu spielen und lieber doch einfach nur Hilfe zu holen. Wieso alleine kämpfen wenn man zu Zweit stärker ist? Ich wappne mich also mit meinem Handy und rufe Daniel an:

 

„Hallo Daniel, ich bin gerade auf dem Weg zur Arbeit und komme bei der Brücke nicht vorbei...da steht nämlich eine Kuh.“

„Auf welcher Brücke steht sie?“

„Auf der aus Stein.“

„Gut, ich hole dir den technischen Dienst.“

 

Das ganze Gespräch wurde mit so einer Gelassenheit durchgeführt welche sogar für Daniel sehr erstaunlich war. Wer würde mit so einer Pragmatik handeln, wenn klar wäre, dass eine Kuh den Weg zur Stiftung blockiert? Aber bevor ich darüber nachdenken kann, kommt uns (der Kuh und mir) eine Motorrad entgegen, worauf ein grinsender Mann sitzt. Wir beide komplett ahnungslos, fängt das Motorrad an zu brummen, und fährt mit einer gezielten Selbstsicherheit auf die Kuh zu. Karamellkuh guckt mich erschrocken an, bevor sie von der Brücke rennt, um dem Brummgeräuschen zu entfliehen. Sie rennt auf die Wiese zu, und schaut sich nochmals zu mir und wirft mir einen vorwurfsvollen Blick zu, bevor sie sich ans saftige Gras ranmacht.

 

Später erfahre ich 2 wichtige Informationen natürlich von Menschen, die sich dieser Kuh nicht stellen mussten: Susanne, die davon überzeugt ist, dass es ein Stier war-nicht eine Kuh, und Nils, der meint, man kann eine Kuh mit bloßen Hände schubsen und sie somit aus den Gleichgewicht zu bringen. (Was ja auch wirklich hilfreich wäre, wenn ich eine umgefallene Kuh vor mir habe, verbaut ja nur noch mehr den Weg!)

Kommentar schreiben

Kommentare: 0